Lagerhaltung verstehen: Grundlagen, Trends und Praxis-Tipps



Was bedeutet Lagerhaltung?

Kurz gesagt: die geplante Aufbewahrung von Materialien und Waren entlang einer Lieferkette. Sie sorgt dafür, dass Produkte verfügbar sind, Kosten im Rahmen bleiben und Abläufe stabil umsetzbar sind. Entscheidend hierfür sind klare Regeln, saubere Daten und ein gutes Zusammenspiel von Menschen, Prozessen und Software.

 

Optimierung der Lieferfähigkeit mit Hilfe einer guten Bestandsstrategie

Eine gut organisierte Lagerhaltung erkennt man an einer hohen Lieferfähigkeit bei gleichzeitig möglichst wenig gebundenem Kapital. Für eine solche Optimierung gibt es klare Regeln:

  • Datenbasis schaffen: An Verbrauch pro Artikel, Lieferzeit und typischen Saisonen festhalten.
  • Sicherheitsbestand festlegen: Puffer gegen Schwankungen und Verzögerungen einplanen (je unsicherer die Lage, desto größer sollte dieser sein).
  • Meldebestand definieren: Verbrauch pro Tag × Lieferzeit + Sicherheitsbestand.
    Fällt der Bestand darunter, wird bestellt.
  • Bestellmenge wählen: Diese sollte den Bedarf bis zur nächsten Lieferung sicher abdecken – und sich dabei sinnvoll an Verpackungseinheiten orientieren.
  • Regelmäßig nachsteuern: Bei geänderten Verbräuchen oder Lieferzeiten sollten Puffer und Meldebestände angepasst werden.
  • Erfolg messen: Liefertermintreue, Fehlmengenquote und Lagerumschlag beobachten.

 

Technische Unterstützung – immer zugeschnitten auf die jeweiligen Anforderungen

Ein Lagerverwaltungssystem als Teil der Unternehmenssoftware schafft einen gemeinsamen, verlässlichen Datenstand für Bestände, Aufträge und Bewegungen.
Worauf es ankommt: saubere Stammdaten, mobile Buchungen in Echtzeit und offene Schnittstellen zu Einkauf, Verkauf, Versanddienstleistern und – falls vorhanden – zur Technik im Lager. Wichtig sind klare Übergaben, lückenlose Buchungen und regelmäßiges Zählen kleiner Bereiche (permanente Inventur), damit Systembestand und Realität übereinstimmen.

 

Typische Herausforderungen für Lagerbetriebe ohne ein zentrales Verwaltungssystem:

  • Schwankende Nachfrage und Lieferzeiten führen zu Fehlmengen oder Überhängen
  • Personalknappheit verstärkt den Bedarf nach klaren Prozessen
  • Intransparente Daten führen zu doppelter Erfassung und Fehlern
  • Hohe Fehlerquote bei der Kommissionierung führt zu vielen Retouren und Nacharbeiten
  • Platzmangel im Lager erzeugt ungeplante Restplätze und unnötig lange Wege
  • Veraltete IT ermöglicht keine mobilen Prozesse und bietet nur schlechte Auswertungsmöglichkeiten

 

Zentrale Verwaltungssysteme können hier mit vielen technischen Feinheiten unterstützen:

  • Mobile Datenerfassung zum Beispiel mit Hilfe von Scannern und klaren Bildschirmdialogen, die durch Einlagerung, Nachschub und Kommissionierung führen reduzieren Fehler und Suchzeiten. Dies ermöglicht schnellere Einarbeitungen und sorgt für transparente Bestände.
  • Digitale Zwillinge & Simulation Ein digitales Abbild des Lagers ermöglicht „Was-wäre-wenn“-Szenarien: Layout-Varianten, Personalbedarf, Engpässe. So lassen sich Investitionen und Umbauten vorab absichern.
  • Cloudbasierte Systeme & Integration
    Cloud-Lösungen bieten schnelle Updates, skalierbare Leistung und einfachere Anbindungen an Frachtführer, Marktplätze oder Automatisierung. Das führt zu kürzeren Einführungszeiten, geringerer IT-Last und einem aktuelleren Funktionsstand.
  • Fahrerlose Transportfahrzeuge können wiederkehrende Wege übernehmen – aber erst prüfen, wenn Routen und Regeln stabil sind.
    Wichtig ist der wirtschaftliche Nutzen pro Einsatzfall.
  • Vernetzte Sensorik und „smarte“ Behälter/Etiketten Temperatur, Feuchtigkeit, Erschütterung oder Füllstände werden am Ladungsträger erfasst.
    Dies ermöglicht eine bessere Nachverfolgung und Qualitätssicherung, kann aber auch gezielt nur dort eingesetzt werden, wo es Schwund- oder Qualitätsprobleme gibt.
  • Modulare Automatisierung im Materialfluss
    Standardisierte Förder- und Transportlösungen übernehmen gleichförmige Wege und ermöglichen so konstante Taktzeiten und weniger Laufwege. Dies funktioniert nur mit definierten Routen, einer stabilen Auftragslast und klaren Sicherheitsregeln.
  • Leithilfen am Regal (optisch oder per Ansage) beschleunigen das Greifen.
  • Künstliche Intelligenz – punktuell nutzbar aber noch im Ausbau
    Heute vor allem bei Prognosen und Nachschubvorschlägen in ersten Modulen zu finden, aber vollautomatische Entscheidungen im Tagesgeschäft befinden sich noch im Aufbau und sollten gezielt getestet werden, um ihren wahren aktuellen Nutzen zu ermitteln.

 

Praktische Tipps zur Optimierung

Unabhängig von der Wahl des zentralen Verwaltungssystems und dessen genauer Ausgestaltung gibt es verschiedene allgemeine Strategien, die eine Optimierung der eigenen Lagerhaltung voranbringen können:

  1. Kennzahlen sichtbar machen: Liefertermintreue, Fehlmengenquote, Picks pro Stunde, Inventurabweichung, Lagerumschlag und diese bestenfalls wöchentlich besprechen.
  2. Stammdaten pflegen: Maße, Gewichte, Verpackungseinheiten, Mindesthaltbarkeiten und Handhabungshinweise verpflichtend pflegen.
  3. Plätze und Wege ordnen: häufig benötigte Artikel sollten gut erreichbar sein, Schnellläufer-Zonen anlegen, Nachschub- und Kommissionier Wege trennen sowie sensible Nachbarschaften vermeiden. Ein dokumentiertes Layout beschleunigt Einarbeitung und Inventur.
  4. Passend kommissionieren: Bei vielen Kleinaufträgen immer mehrere Bestellungen in einem Lauf bündeln. Bei großen Flächen im Lager bestenfalls nach festen Bereichen arbeiten.
  5. Technik mit Augenmaß einführen: Mit Scannern und klaren Packplätzen starten – Transporthilfen oder fahrerlose Fahrzeuge später dort testen, wo der Nutzen nachweisbar ist.
  6. Durchgängige digitale Abläufe: Wareneingang, Einlagerung, Nachschub, Kommissionierung und Versand ohne Medienbrüche erfassen – ein System, ein Datenstand und möglichst papierfreie Prozesse.
  7. KI realistisch einordnen: Heute kein Muss. Erst Datenqualität und Prozesse verbessern; KI-Funktionen später gezielt prüfen.

 

Fazit

Gute Lagerhaltung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis klarer Regeln, sauberer Daten und disziplinierter Abläufe. Wer Transparenz schafft, Plätze und Wege sinnvoll ordnet, digital bucht und Technik dort einsetzt, wo sie wirklich wirkt, senkt Bestands- und Prozesskosten – bei gleichzeitig höherer Lieferfähigkeit. Trends wie vernetzte Sensorik, Simulation und Cloud-Systeme unterstützen dabei, Schritt für Schritt professioneller zu werden.